Mittwoch, 28. Januar / Das große Finale

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Mittwoch, 28. Januar / Das große Finale

Der kulinarische Kompass weist nach Norden

Ist Norwegen die neue Welthauptstadt der Gastronomie? Während der 28-jährige norwegische Koch Geir Skeie und sein Team heute Abend in Lyon die Champagnerkorken knallen ließen, um ihren Sieg beim Bocuse d’Or zu feiern, ging nicht wenigen von uns bei der Preisverleihung diese Möglichkeit durch den Kopf. Dies ist bereits das vierte Mal, dass Norwegen die höchste Auszeichnung erzielte, seit der begehrte Bocuse d’Or 1987 ins Leben gerufen wurde. Und wie sich herausstellte, betreibt Jonas Lundgren, der heute Abend den zweiten Preis für Schweden gewann, derzeit kein Restaurant in seiner Heimat, sondern am anderen Ufer, ebenfalls in Norwegen. Und was war mit Frankreich los? Die kurze Antwort lautet, dass Frankreich mit dem Fisch zu spät dran war. Jedes Team im Wettbewerb musste der Bocuse-Jury ein Fleischgericht und ein Fischgericht präsentieren. Das französische Team unter Leitung von Philippe Mille (34) bereitete eine kompliziertes Kreation aus Kabeljau, Krabben, Porree, Mini-Tintenfisch, Seeigel-Rogen, Kammmuscheln, jungem Spinat und Kaviar vor. Ein spektakulärer Beitrag, aber er kam zu spät auf den Tisch. Offenbar nur eine Minute zu spät, aber das reichte aus, um viele Punkte zu kosten. Frankreich wurde Dritter, hinter den Skandinaviern.Es gab eine Zeit (von 1987–1999, um genau zu sein), als Frankreich überhaupt nicht verlieren konnte. Der Bocuse d’Or war damals mehr Weihe als Wettbewerb. Und bei jeder Preisverleihung haben die französischen Fans in den Tribünen des Lyoner Auditoriums alle anderen bisher stets zahlen- und lautstärkemäßig übertroffen – und warum auch nicht? Der Bocuse d’Or ist ihre Pilgerfahrt, auf die sie sich alle zwei Jahre begeben, um ihren Glauben an die Überlegenheit der französischen Kochkunst zu erneuern. „Frankreichs hohe kulinarische Stellung und das Anspruchsdenken, das damit einhergeht, das französische Team beim Bocuse d’Or zu vertreten, sind nie herausgefordert worden. Bis jetzt.”Wenn jemand heute Abend noch überraschter war als die Franzosen, dann die amerikanische Delegation. Kein Amerikaner hat bisher die Siegertrophäe beim Bocuse d’Or mit nach Hause genommen, dieses Mal jedoch hatten die klugen Köpfe auf Timothy Hollingsworth gesetzt. Sogar Paul Bocuse gab ihm seinen Segen. Vor Beginn des Wettbewerbs sagte „Monsieur Paul“ (der im Februar seinen 82. Geburtstag feiert) vor Journalisten, er erwarte, Hollingsworth unter den Preisträgern zu sehen. Hollingsworth ist Souschef im Drei-Sterne-Restaurant French Laundry in Kalifornien. Zur Vorbereitung auf den Bocuse d’Or hatte sein Chef Thomas Keller ihn nicht nur vom Dienst befreit, sondern sogar dafür gesorgt, dass er beim legendären französischen Koch Roland Henin in einer speziell ausgestatteten Kücheneinrichtung in der Nähe des Restaurants trainieren konnte. Sowohl Keller – der als Ehrenpräsident zum Bocuse d’Or geladen war – als auch Henin waren heute Abend zugegen und sorgten für maximalen Starglanz in der Hollingsworth-Ecke. Amerikanische Fans auf den Tribünen schwenkten Fahnen und riefen „Yes we can!“, aber nein, sie konnten nicht. Die USA kamen auf den sechsten Platz, hinter der Schweiz und knapp vor Island. Als die Preisverleihung zu Ende ging, war es auch an der Zeit für das erste Nespresso Atelier de Création, den Vorhang fallen zu lassen. Sang Hoon Degeimbre und sein Team vom Restaurant L’Air du Temps hatten unter Beweis gestellt, dass sie der Aufgabe mehr als gewachsen waren, Food-Pairing-Techniken vorzustellen und die Prinzipien der avantgardistischen Haute Cuisine zu erläutern. Die Workshops waren ein voller Erfolg, nicht nur als Ort des Lernens, sondern auch als Treffpunkt für alte Freunde und neue Bekannte. Doch alle guten Dinge gehen irgendwann vorüber, und Degeimbre sammelte seine Truppen um sich, für die Reise zurück nach Belgien. Morgen stand wieder ein arbeitsreicher Tag auf dem Programm – denn schließlich hat das Team ein Restaurant zu betreiben.