14/05 - CANNES AKTUELL AUF SPRING FEVER

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14/05 - CANNES AKTUELL AUF SPRING FEVER

Lou Yes Spring Fever sorgt in Cannes für steigende Temperaturen

14. Mai 2009 – Nach der Aufregung zu urteilen, die die heutige Cannes-Premiere des Lou-Ye-Films Spring Fever umgibt, würde man meinen, dies sei ein Film über Homosexualität oder Zensur oder China seit der Kulturrevolution. Aufregung gehört bei Lou Ye natürlich dazu. Schon bei seinem ersten Film, Weekend Lover, fiel die chinesische Zensur 1994 über ihn her. Sein zweiter Film, Suzhou River, gefiel den Zensoren auch nicht besser. Und als er es in seinem dritten Film, Summer Palace (2006), wagte, die Proteste auf dem Tiananmen-Platz anzusprechen, erhielt Lou für fünf Jahre offizielles Filmverbot. Und was tat der Regisseur? Er drehte Spring Fever, finanziert aus Frankreich und Hongkong, und holte einfach keine offizielle Genehmigung ein – und jetzt ist er wieder hier in Cannes.Von der Aufregung einmal abgesehen, geht es in Spring Fever einfach (obgleich „einfach“ eigentlich das falsche Wort ist) um Menschen, die im Sog ihrer eigenen Emotionen gefangen sind, Menschen, die nicht sicher sind, ob sie dem Glück entgegenlaufen oder vor ihm fortlaufen sollen, und die schließlich in beide Richtungen zugleich rennen – oder eben nirgendwo hin. Die erste Liebesszene des Films spielt sich zwischen zwei Männern ab; wie sich herausstellt, ist einer der beiden mit einer Frau verheiratet. Dieses Liebesdreieck dehnt sich später zum Liebesfünfeck aus, aber die daraus erwachsenden emotionalen Komplikationen haben wenig mit Geometrie zu tun und alles mit den unvernünftigen Bedürfnissen menschlicher Leidenschaft.Spring Fever beginnt mit einer Aufnahme von Lotusblüten in einem Teich; der Film wandert durch Nanking und die ländliche Umgebung der Stadt und imitiert die ziellosen Bahnen von Figuren, die sich nicht entscheiden können, wohin sie wollen. Dies ist ein Roadmovie über Menschen, die vom Weg abgekommen sind. Der Dialog ist spärlich. Statt Wörtern gibt uns Lou Wind, der durch Blätter raschelt, Wind, der vom Ozean hereinpeitscht, Wind, der Vorhänge aufbauscht und Fenster klappern lässt. Statt eines Handlungsablaufs haben wir Poesie, Koans auf der Leinwand erinnern an den Ablauf der Jahreszeiten und die unabänderliche Gewissheit des Wandels. Und statt Polemik bekommen wir Prägnanz. Spring Fever wird verschiedene Menschen auf unterschiedliche Weise berühren. Vielleicht könnte der Film sogar zu mehr Offenheit führen. – Randall KoralDieses Jahr hat NESPRESSO Cannes von allen Seiten im Blick, von innen und von außen. Vincent Maraval gibt uns seine Einschätzung zu Filmen, die sein Unternehmen Wild Bunch auf den Filmfestspielen vorstellt („Un Autre Regard“, exklusiv auf der NESPRESSO-Website, täglich um 18.00 Uhr). Und Randall Koral, NESPRESSOs Korrespondent in Cannes, übermittelt seine Eindrücke von Filmen und Feiern live vom Geschehen („Cannes Aktuell“, täglich um 11.00 Uhr MEZ).