PATRICK NORGUET

DESIGN / DER DESIGN CONTEST / DIE JURY / PATRICK NORGUET
PATRICK NORGUET

„EKLEKTIZISMUS“

Für Patrick Norguet ist Produktdesign ein Geschäft – ein aufdringliches, faszinierendes Geschäft, das finanzielle Einschränkungen bedeutet, Miet- und Gehaltszahlungen, Abgabetermine, Kundensuche und -bindung. Wenn er seine Arbeit definieren sollte, würde er sie eher als spezifikationsgebundenes denn als diskursives Design beschreiben. Lassen wir die Vision vom schamanengleichen Designer einmal beiseite, der durch emsiges Befragen kreativer Geister die Früchte seiner Visionen in Galerien und Museen ablegen soll, den heiligen Tempeln des Designs. Vor fünf Jahren noch völlig unbekannt, hat Norguet 2005 zahllose Erwähnungen, Preise und andere Auszeichnungen gesammelt. Der schnelle Erfolg ist keine künstliche Medienblase. Patrick Norguet ist nicht Sieger der Designversion einer Talentshow im Fernsehen. Er lernte Industriezeichner, ist ausgebildeter Dreher und Fräser und Fertigungsingenieur. Sein Handwerk basiert auf – ja, wird vielleicht sogar strukturiert von – seinen Kenntnissen von Werkstoffen, Werkzeugen und Fertigungsverfahren. Bevor er von Objekten träumte, lernte er zunächst, die Grenzen des Möglichen mithilfe technischer Hilfsmittel neu zu ziehen. Mit etwa 30 Jahren verließ er Tours und studierte Objektdesign an der École Supérieure du Design Industriel, einer heute nicht mehr existierenden Hochschule, die dem alles übertönenden Sirenengesang der kommerzialisierten Ausbildung nicht standhalten konnte. Dort ergänzte er seine Ausbildung und entdeckte, dass die Grenzen des Möglichen auch durch Design ausgedehnt werden können. Paris stellte die kulturellen Ressourcen bereit, die er wie ein Schwamm begierig aufsaugte. Obschon geblendet vom Feuerwerk des Designmilieus, lernte er schnell, die vorübergehenden Funken, die vom aggressiven Scheinwerferlicht der Medien geschaffen wurden, von den Fackeln und dauerhaften Lichtern der Disziplin zu unterscheiden. Er lernte zahllose Unternehmen kennen, baute ein Team von Mitarbeitern auf und entdeckte Know-how und Kombinationen von Materialien und Technologien in verschiedenen Branchen. Es ist stets ein Kampf gegen den hektischen Lauf der Zeit, dem Augenblick Wert beizumessen – dem Moment, in dem ein Entwurf entsteht, dem Moment, in dem die Umsetzung erwogen wird, dem Moment des Genusses, wenn man in einem Sessel sitzt, der ebenso für den Allerwertesten und den Rücken konzipiert ist wie fürs Auge. Der geteilte Moment. Der richtige Moment. Die Arbeit als freiberuflicher Designer bedeutet auch, die Zeit zu beruhigen.www.patricknorguet.com