23/05 - CANNES AKTUELL AUF THE TIMES THAT REMAINS

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23/05 - CANNES AKTUELL AUF THE TIMES THAT REMAINS

Ein Filmemacher beobachtet, ein anderer lässt der Vorstellungskraft freien Lauf

23. Mai 2009 – Elia Suleimans Film The Time that Remains, der gestern Abend hier bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere hatte, beginnt mit einem Taxifahrer, der in einem Unwetter festsitzt und sich ein paar schwierige Fragen stellt: „Was mache ich jetzt?“ und „Wie komme ich nach Hause?“ Solche Fragen beschäftigen den palästinensischen Regisseur Elia Suleiman offenbar schon sein ganzes Leben lang. Suleiman arbeitete 11 Jahre lang in New York als Schauspieler und Regisseur, und er war auch Universitätsprofessor in Jerusalem. Seine Heimat? Nun, er wurde 1960 Nazareth geboren. Nazareth ist der Ort, an dem sein Vater am arabischen Widerstand teilnahm, der offiziell endete, als die Stadt am 16. Juni 1948 vor den israelischen Truppen kapitulierte. Und Nazareth ist der Hauptschauplatz von The Time that Remains, einem humorvollen, größtenteils autobiografischen Film, in dem Elia Suleiman (der sich selbst spielt) den Weg zurück nach Hause sucht. The Time that Remains is Suleimans dritter Film in einer Trilogie, zu der auch Chronicle of a Disappearance (1996) und Divine Intervention (2002) zählen, und dürfte ein breiteres Publikum gewinnen als die beiden ersten Filme (ganz abgesehen von einem Preis in Cannes, das werden wir morgen Abend wissen). Als Regisseur geht Suleiman zurückhaltend vor. The Time that Remains beginnt 1948 in Nazareth und endet im heutigen Ramallah, inspiriert wurde der Film von den Tagebüchern von Suleimans Vater, Fuad Suleiman, dem er auch gewidmet ist – und doch vermeidet Elia Suleiman den leichten Weg. Er spielt nie mit unseren Emotionen. Eine Szene, in der der junge Fuad Suleiman (Saleh Bakri) von israelischen Soldaten geschlagen und als tot zurückgelassen wird, wird ebenso sachlich behandelt wie eine spätere Szene, in der Fuad sein Leben riskiert, um einen israelischen Soldaten zu retten. Kein Melodram, keine politische Selbstdarstellung – nur zufällige Momente, in denen sich Menschen wiederfinden, die ebenso festsitzen wie unser Taxifahrer im Unwetter. Auf der Leinwand wirkt Elia Suleiman wie eine Mischung aus Jacques Tati und Napoleon Dynamite. Er sieht sowohl verwirrt als auch begreifend aus, eine Haltung, die perfekt auf die absurden, unabänderlichen Situationen zugeschnitten scheint, denen er begegnet. Suleiman (seine Figur ist im Abspann als „E. S.“ aufgeführt) sagt während des ganzen Films kein Wort, doch sein Schweigen spricht Bände. Was gibt es noch zu sagen über den israelisch-palästinensischen Konflikt, das nicht schon gesagt worden wäre? * * *Als The Imaginarium of Doctor Parnassus gestern Abend in Cannes gezeigt wurde, wollte der Applaus kein Ende nehmen. Ein großer Teil des Beifalls galt natürlich Heath Ledger, der während der Dreharbeiten starb, und Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell, denen es erfolgreich gelang, die Rolle ihres toten Freundes zu übernehmen. Eifrig geklatscht wurde aber auch für Terry Gilliam. Er musste immense Hindernisse überwinden, um seinen Film rechtzeitig fertigzustellen, und genau das scheint die Medien bisher am meisten interessiert zu haben. Aber er hat auch einen fantastischen Film hingelegt – Punkt. Imaginarium ist die Story, für die Gilliam geboren wurde. Wie ein Filmkritiker es heute ausdrückte: Die Technologie der Spezialeffekte scheint endlich mit dem Schritt halten zu können, was Terry Gilliam seit seinen Tagen bei Monthy Python vorhatte. The Imaginarium of Doctor Parnassus ist ein Riesenvergnügen und liefert überzeugende Argumente für die Bedeutung der Fantasie. Schauen Sie sich den Film an, und dann noch einmal mit Ihren Kindern. – Randall KoralDieses Jahr hat NESPRESSO Cannes von allen Seiten im Blick, von innen und von außen. Vincent Maraval gibt uns seine Einschätzung zu Filmen, die sein Unternehmen Wild Bunch auf den Filmfestspielen vorstellt („Un Autre Regard“, exklusiv auf der NESPRESSO-Website, täglich um 18.00 Uhr). Und Randall Koral, NESPRESSOs Korrespondent in Cannes, übermittelt seine Eindrücke von Filmen und Feiern live vom Geschehen („Cannes Daily“, täglich um 11.00 Uhr MEZ).