14/05 - CANNES AKTUELL AUF NO ONE KNOWS ABOUT PERSIAN CATS
UNTERHALTUNG / FESTIVAL DE CANNES
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Indie-Rock – allen Widrigkeiten zum Trotz
14. Mai 2009 – Manchmal sitzt man in einem Film und denkt: „Holt mich hier raus!“. Bei No One Knows About Persian Cats passiert genau das Gegenteil: Man macht sich solche Sorgen um das Wohlergehen der Hauptfiguren (darunter viele Laiendarsteller, die sich selbst spielen), dass man denkt: „Holt die da raus!“ „Die“, das ist ein Haufen talentierter Indie-Rocker, und „da“ ist der iranische Polizeistaat, der Gedankenverbrechen mit Gefängnis und öffentlichem Auspeitschen bestraft. Wer nicht glauben mag, dass Indie-Rock gefährlich sein kann, sollte sich No One Knows About Persian Cats ansehen. Der Regisseur des Films, Bahman Ghobadi, wurde bei den Aufnahmen in Teheran zweimal verhaftet. Roxana Saberi, die iranisch-amerikanische Journalistin, die das Drehbuch schrieb, wurde am 11. Mai aus der Haft entlassen, zwei Tage vor Beginn der Filmfestspiele in Cannes, wo Persian Cats die Sektion „Un Certain Regard“ eröffnete. Eine der Hauptfiguren des Films, ein kleiner Gauner und Möchtegern-Rockimpresario namens Nader (Hamed Behdad), behauptet, dass es in der iranischen Hauptstadt mindestens 312 Indie-Bands gibt, und von dem, was wir hier sehen, hat es keine davon leicht. Diese Bands sind im wahrsten Sinne des Wortes „Underground“. Sie proben in Tunneln und Kellern und träumen davon, ihre Musik offen spielen zu können, zu Rockfestivals in andere Länder zu reisen. Sie haben Poster von Joy Division und Nirvana an den Wänden, und eine Figur wünscht sich nichts sehnlicher, als Island zu besuchen, um Sigur Rós zu sehen. Im Mittelpunkt von No One Knows About Persian Cats stehen zwei harmlose Rocker namens Negar (Negar Shaghaghi) und Ashkan (Ashkan Koshanejad). Ghobadis geniale Kamera folgt den beiden auf ihrer Suche nach einem Ausweg durch und unter die Straßen von Teheran. Negar liest Kafkas „Verwandlung“ und Ashkans Mutter lebt in Deutschlands; sie schwanken zwischen der Hoffnung, den Iran verlassen zu können, und der Angst vor den Konsequenzen, falls sie dies tatsächlich versuchen. Persian Cats ist ein überzeugendes politisches Statement, hat aber auch sehr witzige Momente – und der Soundtrack ist hervorragend. (Persian Cats dürfte zur Popularität iranischer Musik ebenso beitragen wie Buena Vista Social Club zur die Beliebtheit kubanischer Musik.) Zu den musikalischen Höhepunkten des Films zählen „Wach auf, Gott“ von einem Rapper namens Hichkas, eine Soulballade von Rana Farhan und eine Heavy-Metal-Band, die in einem Kuhstall probt. Einige Bands singen auf Persisch, andere auf Englisch und einige sind bereit, alles zu singen, was ihre Chancen auf ein Ausreisevisum vergrößern könnte. No One Knows About Persian Cats hat das Publikum bei der Cannes-Premiere heute Abend begeistert. Es dürfte also nicht mehr allzu lange dauern, bis alle Welt sich in der Indie-Rock-Szene von Teheran auskennt. – Randall KoralDieses Jahr hat NESPRESSO Cannes von allen Seiten im Blick, von innen und von außen. Vincent Maraval gibt uns seine Einschätzung zu Filmen, die sein Unternehmen Wild Bunch auf den Filmfestspielen vorstellt („Un Autre Regard“, exklusiv auf der NESPRESSO-Website, täglich um 18.00 Uhr). Und Randall Koral, NESPRESSOs Korrespondent in Cannes, übermittelt seine Eindrücke von Filmen und Feiern live vom Geschehen („Cannes Aktuell“, täglich um 11.00 Uhr MEZ).
"Un Autre Regard" auf No One Knows About Persian Cats
